Erleuchtung durch die Gurke

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Erleuchtung durch die Gurke

      bezieht sich zwar auf Medienartikel, aber tangiert die Wissenschaft, daher hab ich´s hier reingestellt.

      Sind die Reaktionen auf diesen dämlich Spiegelartikel, den es leider nur noch kostenpflichtig gibt. Und da ist das Geld eigentlich zu schade für. Aber die Reaktionen sind ganz interessant. Hier ein paar davon.

      sektion-landwirtschaft.org/1807.html

      Erleuchtung durch die Gurke?
      Anmerkungen zum Beitrag im Spiegel vom 20.11.2006, S. 186 ff, der die Forschung zu biologisch-dynamischer Landwirtschaft an der Uni- Kassel- Witzenhausen in Frage stellt.

      von Michael Olbrich-Majer, Redaktion Lebendige Erde, 23.11.06


      Hätten Demeter- und später Bioland- Bauern auf den wissenschaftlichen Mainstream gewartet – es gäbe heute noch keinen Ökologischen Landbau in Deutschland. Inzwischen ist die Agrarwissenschaft etwas weiter.
      Egal wie man zu Rudolf Steiner stehen mag, anzuerkennen ist, dass auf ihn wesentliche Impulse zur Entstehung des Ökolandbaus in Deutschlands zurückgehen. Die Autorin aber verwendet ihre Skepsis als Munition für eine offenbar hochschulinterne Abrechung, die vor dem Hintergrund der Konkurrenz der beiden hessischen Agarwissenschaftstandorte Gießen und Kassel-Witzenhausen abläuft. Letztendlich geht es hier um die Frage, ob Gießen ((High-Tech Landwirtschaft inclusive Gentechnik) oder Kassel (Schwerpunkt Ökolandbau, international einzigartig) als zukunftsfähig gelten. Gerade hat der Wissenschaftsrat alle deutschen Agrarfakultäten evaluiert – darüber zu lesen wäre sicher interessanter gewesen. Stattdessen werden fachfremde Wissenschaftler zitiert.

      Von einem Beitrag, der bereits im ersten Halbsatz Homöopathie lächerlich macht und dann in diesem Ton fortschreitet, kann man keine sachgemäße Auseinandersetzung mit einem Thema erwarten, das etwas vielschichtiger als die Homöopathie ist. Auch dass die Autorin nicht weiß, dass man Blüten am besten dann erntet, wenn es trocken ist und sich u.a. über die Ernte an „sonnigen Tagen“ lustig macht, weist sie nicht gerade als Kennerin des Fachs aus.

      Noch ein paar Anmerkungen, die aufscheinen lassen, dass die Forschung am biologisch-dynamischen Lehrstuhl durchaus ernst zunehmen ist:

      Wissenschaftlichkeit
      Eine Reihe wissenschaftlicher Arbeiten u.a. auch an der Uni Gießen, führen einen Nachweis der Wirkung biologisch-dynamischen Präparate.

      vgl. SPIESS, H. 1978: Konventionelle und biologisch-dynamische Verfahren zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit. Darmstadt, Diss. Gießen,

      BACHINGER, J. 1996: Der Einfluß unterschiedlicher Düngungsarten (mineralisch,organisch, biologisch-dynamisch) auf die zeitliche Dynamik und die räumliche Verteilung von bodenchemischen und -mikrobiologischen Parametern der C- und N-Dynamik sowie auf das Pflanzen- und Wurzelwachstum von Winterroggen. Institut für Biologisch-Dynamische Forschung Schriftenreihe, 7, Darmstadt, Dissertation Gießen

      DEWES, T.; AHRENS, E. 1989: Einfluß des biologisch-dynamischen Präparates P500 auf Merkmale der mikrobiellen Aktivität eines schluffigen Sandes. Mitteilungen der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft, 59/I, 553-558,

      KÖNIG, U.J. 1988: Untersuchung tagesrhythmischer und entwicklungsdynamischer Phänomene an ausgewählten Kulturpflanzen bei der Anwendung biologisch-dynamischer Spritzpräparate. Göttingen, Dissertation.



      Inzwischen gibt es auch erste, durch Forschung bestätigte Wirkungsmodelle zu den biologisch-dynamischen Präparaten (Fritz, J. 2000: Reaktionen von Pflücksalat (Lactuca sativa L. var. crispa) und Buschbohnen (Phaseolus vulgaris L. var. nanus) auf das Spritzpräparat Hornkiesel. Berlin: Verlag Dr. Köster. Diss. agr. Bonn).

      Homöopathie
      Mit ihrer Hilfe lassen sich Mastitis durchseuchte Herden mit weniger Antibiotika sanieren (aid-infodienst Verbaucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft 12.7.2006, bzw. Merck, C.C.; Fidelak, C.; Klocke, P.; Reinecke, A.; Paal, K.; Rothe, J. und Spranger, J. ,2004: Etablierung der homöopathischen Mastitistherapie in einem biologisch-dynamisch wirtschaftenden Milcherzeugerbetrieb unter Berücksichtigung ökologischer, epidemiologischer und ökonomischer Gesichtspunkte. Bericht, Tierklinik für Fortpflanzung, Freie Universität Berlin.

      kosmische Einflüsse auf Kühe
      Dass Empfängnisbereitschaft und Fruchtbarkeit mittelbar etwas mit dem Mond zu tun haben, weiß jede Frau, denn der Rhythmus ist diesem „kosmischen Gestirn“ entlehnt. Findige Bauern sind daher auch erfolgreich mit einem Brunftkalender, der solches berücksichtigt. Im Tier- und Pflanzenreich finden sich unzählige Beispiele für Mondenwirkungen. (ENDRES K.-P., SCHAD, W., Biologie des Mondes, Mondperiodik und Lebensrhythmen S. Hirzel Verlag Stuttgart 1997)

      Die Möhre, die den Mond mag
      In zwölf Jahre währenden Anbauversuchen zu seiner Habilitation fand Spieß (1994), dass es bei Pflanzen lunare Reaktionstypen gibt: Möhren reagieren auf die Aussaat vor Vollmond positiv, Kartoffeln dagegen, wenn sie zu Neumond gelegt wurden. Auch beim Holzeinschlag sind solche Effekte bekannt (Zürcher, E., Cantiani, M.-G., Sorbetti-Guerri, F., Michel, D. 1998: Tree stem diameters fluctuatewith tide. Nature, Vol. 392, 16 April 1999: 665-666., bzw. Spieß, H.,1994: Chronobiologische Untersuchungen mit besonderer Berücksichtigung lunarer Rhythmen im biologisch-dynamischen Pflanzenbau, Habilitation Kassel, Schriftenreihe des IBDF, Darmstadt, Bd. 3).

      Zaubertrank
      Mehrere Dissertationen und hunderte andere Forschungsarbeiten beschäftigen sich mit der Wirkung der biologisch-dynamischen Präparate, weisen Wirkungen in der Gesamtheit aber auch Einzelwirkungen nach. (s.a. RAUPP, J.; KÖNIG, U.J. 1996: Biodynamic preparations cause opposite yield effects depending upon yield levels. Biol. Agric. & Hort., 13, 175-188). Auch Wissenschaftler der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft FAL befassen sich inzwischen mit den Präparaten.

      Bildekräfte
      Die Molekulargenetik sucht sie in der Zelle (Was reguliert, dass das gleiche Gen verschiedene Effekte hat?), die Biodynamiker in der Pflanze, und sie nutzen das gar erfolgreich zur Züchtung von bisher mehr als einem Dutzend eingetragener Gemüsesorten. (oekoseeds.de)

      Pseudowissenschaftliches Glaubenssystem
      Jahrzehntelange Forschung, zwei Dutzend Dissertationen, ein Vielfaches an wissenschaftlichen Publikationen zeigen ein anderes Bild: das des kritischen Hinterfragens von Anfang an mit den Mitteln der aktuellen naturwissenschaftlichen Forschung, wenn auch - da in der Regel privat finanziert - in der Zahl der Arbeiten begrenzt. Dies dennoch zu ignorieren, wirft die Frage nach der wissenschaftlichen Sorgfalt auch der zitierten Wissenschaftler auf.



      Eine umweltgemäße, Ressourcen schonende, multifunktionale Landwirtschaft gehört zu Recht zu den Leitzielen der EU-Landwirtschaftspolitik. Biologisch-dynamische Landwirte haben angeregt durch Rudolf Steiner und später mit ihren biologisch-organischen Kollegen in Pionierarbeit betriebliche Wege dorthin entwickelt. Ökolandbau ist heute Leitbild für nachhaltiges Wirtschaften. Die Biologisch-dynamische Variante ist dabei die bodenschonendste Variante und doppelt so energieeffizient, sprich klimaschonend, wie konventionelle Landwirtschaft, wie ein in Science publizierte Langzeitversuch nachweist (Mäder, P., Fließbach, A., Dubois, D., Gunst, L. Fried, P., Niggli, U.: 2002: Soil Fertility and Biodiversity in Organic Farming, Science, Vol. 296, 1694ff

      Apropos Kosmos: Nicht erst der Klimawandel kann darauf aufmerksam machen, dass die Erde ein Gestirn im Kosmos ist und das Leben auf ihr daher bestimmten Gesetzmäßigkeiten unterliegt. Die mächtigen Sonnenwirkungen und auch die des Mondes in ihren vielfältigen Effekten auf Lebensvorgänge zu verstehen, ist ein Anliegen der Biodynamiker: Schließlich nutzt die Landwirtschaft wie kaum eine andere Branche die Wirkungen von Sonne und auch Mond. Dazu braucht es keine wissenschaftliche Bestätigung – das weiß jeder Biologe und jeder Hausgärtner.

      Innovation braucht manchmal ungewöhnliche Methoden, denn zur Führung eines Wirtschaftsbetriebs gehört auch Kreativität. Landwirtschaft allein naturwissenschaftlich begreifen zu wollen greift daher viel zu kurz.



      Im Forschungsring für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise werden seit 80 Jahren Verfahren des biodynamischen und des ökologischen Landbaus entwickelt. Der Forschungsring e.V. ist Mitstifter der Stiftungsprofessur für biologisch-dynamische Landwirtschaft an der Universität Kassel-Witzenhausen.

      Eine Literaturliste findet sich auf der Website forschungsring.de im Bereich IBDF, unter allgemeinen Hinweisen: Literaturliste zu den biologisch-dynamischen Präparaten.

      Die Zeitschrift Lebendige Erde wird vom Forschungsring herausgegeben.

      Siehe auch Artikel von Nikolai Fuchs zur Wissenschaftlichkeit des biologisch-dynamischen Landbaus in der Lebendigen 6/2006:

      Wissenschaftlichkeit.pdf

      info3.de/wordpressnews/?p=15

      Mit einem Rundumschlag gegen die biologisch-dynamische Landwirtschaft im Allgemeinen und gegen den einzigen Lehrstuhl für biologisch-dynamische Landwirtschaft im Besonderen wartete der Spiegel in seiner Ausgabe vom 20. November auf. Auch in seiner online-Ausgabe präsentiert das Magazin den Beitrag und hat ihn kurzzeitig sogar um ein eigenes Diskussionsforum ergänzt. Der Artikel als solcher mit dem Titel „Erleuchtung durch die Gurke“ wäre kaum der Rede wert, zumal das in ihm verfolgte Prinzip, Menschen wegen ihrer spirituellen Orientierung zu beschimpfen, sich auch unter den Lesern des Spiegels immer mehr als ungeeignet erweisen dürfte. Vermutlich erregt ein Beitrag, bei dem als Argument gegen die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise hauptsächlich angeführt wird, es handle sich dabei um „Ausgeburten anthroposophischer Spinnerei“, mittlerweile mehr Interesse als Beifall. Publizistisch gesehen könnte man die Angelegenheit deshalb gelassen auf sich beruhen lassen, wäre da nicht noch die wissenschaftspolitische Dimension des Vorfalls: denn den hinter diesem Artikel stehenden Kritikern geht es ganz offensichtlich darum, das in Europa bisher einmalige Projekt eines Lehrstuhls für die von Rudolf Steiner begründete biologisch-dynamische Wirtschaftsweise an der renommierten landwirtschaftlichen Universität Kassel-Witzenhausen zu Fall zu bringen.
      Im März 2005 erst war an dieser führenden Forschungs- und Lehranstalt für ökologischen Landbau in Deutschland eine Stiftungsprofessur für biologisch-dynamische Landwirtschaft eingerichtet worden. Wie bei Stiftungsprofessuren üblich, wird das Projekt zunächst weitgehend von privater Seite, in diesem Fall von mehreren Stiftungen sowie der Biosupermarktkette Alnatura, finanziert. Als erster Professor wurde der ausgewiesene niederländische Agrarexperte Ton Baars auf den neu geschaffenen Lehrstuhl berufen, dem selbst der Spiegel attestiert, „die harte Prüfung der Berufungskommission bestanden“ zu haben. „Die Integration der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise in Forschung und Lehre ist ein wichtiger Baustein zur Stärkung des Universitätsstandortes Witzenhausen“, hatte der Präsident der Universität Kassel, Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep, zur Eröffnung des neuen Fachbereichs erklärt. In fünf Jahren jedoch steht eine Übernahme des Lehrstuhls durch das Land Hessen in Aussicht – dann wäre die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise dauerhaft auf einem von insgesamt 19 Lehrstühlen in Witzenhausen präsent.
      Dagegen laufen nun offenbar bestimmte Kräfte innerhalb und außerhalb der Hochschule Witzenhausen Sturm. Einer der externen Kritiker, auf den sich der Spiegel-Bericht als Gewährsmann beruft, ist dabei der Molekulargenetiker Professor Hans Jörg Jacobsen, der Steiner als einen „durchgedrehten Säulenheiligen“ diffamiert. Jacobsen ist vormaliger Präsident des Verbands Deutscher Biologen, eines Lobbyverbandes, der sich unter anderem für die Freigabe gentechnischer Landwirtschaft in Deutschland stark macht und auf seiner Website mit exzellenten Kontakten zu Pharma- und Chemiekonzernen wirbt. Eine besondere Spezialität des Verbandes Deutscher Biologen ist außerdem die ideologische Absicherung darwinistischen Gedankengutes, das in jüngster Zeit verschiedentlich auch von Fachwissenschaftlern kritisch hinterfragt wurde. Jacobsen und insbesondere sein Kasseler Biologie-Kollege Professor Ulrich Kutschera führen beispielsweise seit Monaten im Namen ihres Verbandes eine offenbar auf Entlassung abzielende Kampagne gegen einen Angehörigen des Kölner Max-Planck-Instituts, der als Genetiker die Zufalls-Theorie Darwins in Zweifel gezogen hatte. Kutschera hatte hier u.a. mit tendenziösen Veröffentlichungen in Fachzeitschriften gedroht, um das Institut in Verruf zu bringen (info3 berichtete in Ausgabe 3/2006). Da es sich im Falle Witzenhausen nicht um einen einzelnen Mitarbeiter, sondern um einen ganzen Lehrstuhl handelt, ist zu erwarten, dass auch hier der Spiegel-Artikel nur das Fanal einer langfristigen Kampagne darstellt. Jacobsen und Kutschera geben sich dabei als fanatische Materialisten zu erkennen, denen es nicht um eine kritische wissenschaftliche Auseinandersetzung, sondern um die radikale Ausmerzung unliebsamer Alternativen geht. Im Vorfeld des Artikels soll laut Spiegel die Website des Instituts von Professor Baars bereits vorauseilend z.B. um Inhalte wie Lebenskräfte oder Darwinismus-Kritik „bereinigt worden sein. Damit dürften sich die Hardliner der „Deutschen Biologen“ allerdings kaum zufrieden geben.
      Jens Heisterkamp


      themen-der-zeit.de/content/189.0.html

      Cool bleiben. Neues von der Gurkenfront

      Statt eines Leserbriefs

      mm/tdz. Erleuchtung durch die Gurke? Fragt der Spiegel und bringt es wieder mal auf den Punkt. Die Anthroposophen sind Spinner. In einem Artikel über biologisch-dynamische Wirtschaftsweise und die Forschung in diesem Bereich wird, betrachtet man es genau, über einen ganzen Berufsstand hergezogen, nämlich den der Demeter-Bauern. Natürlich ist es für Anthroposophen ärgerlich, all diesen unausgegorenen Unsinn zu lesen, andererseits wird es vermutlich keinen Kunden davon abhalten, weiterhin auf Demeter-Produkte zu setzen. Denn der immer noch wachsende Zulauf für vernünftig erzeugte Lebensmittel zeigt ein anderes Bild. Dass die Wissenschaftler, diese Gilde von gutbezahlten Fachidioten, die Forschung in diesem Bereich nicht toll finden, verwundert nicht, kratzt doch eine alternative Betrachtung bestimmter Zusammenhänge an einem Wissenschaftsverständnis, das nur eine Forschung zuläßt, die sich anschließend mit zusammengestoppelten Powerpoint-Präsentationen auf gesponserten Tagungen der Lebensmittelindustrie trefflich vermarkten lässt.

      Also Leute, cool bleiben, Milch vom Demeter-Hof trinken und sich freuen, dass es Menschen gibt, die daran glauben, dass es außer teuren und hochkomplizierten Messeinrichtungen und Analyse-Methoden noch etwas gibt, was lebendig ist.

      Nebenbei bemerkt, es scheint immer schwieriger zu werden, die Anthroposophie und die mit ihr verbundenen Tätigkeitsfelder zu diskreditieren. Könnte es sein, dass an der Sache doch etwas dran ist? Es scheint fast so, denn beim Stöbern im Netz stoße ich auf Herrn Dr. Peter Treue, der den Artikel "Blut und Bohnen" in der FAZ verbrochen hat. Der verkauft jetzt (unter anderem) auch Werz-Kekse. Meines Wissens bestehen diese aus Demeter-Getreide. Guten Appetit!

      zum Spiegel-Artikel